LMIC radio

Georgs Pelēcis: Seasons

Performers

Linda Leine - pianist

Series

Latvian composers

Recorded

2022

Release date

11.11.2022

Compositions

Georgs Pelēcis

"Jaungada mūzika" / "New Year’s Music"

Georgs Pelēcis

"Rudens mūzika" / "Autumn Music"

Georgs Pelēcis

"Ziemas mūzika" / "Winter music"

Georgs Pelēcis

"Pavasara mūzika" / "Spring Music"

Georgs Pelēcis

"Vasaras mūzika" / "Summer Music"

Georgs Pelēcis

"Jaungads atkal klāt" / "New Year's Music"

Description

LMIC 137

Our new album features the piano music of Georgs Pelēcis (1947) dedicated to the theme of the seasons. There are six (!) of these seasons, and, as a loose cycle of compositions, they were created over a longer period of time, from 1977 until 2021, and perhaps even later, during the recording process itself… From the perspective of Latvian music, Pelēcis’ creative universe reveals itself as unusually vast, almost unfathomable. And yet, it contains one common concept, one basic feature that serves as a key to his worldview, and that is an intelligent, clear, balanced and euphonic musical solution. This element is so effective, so consistent, so attractive, that even early on, Pelēcis’ music was described – by others as well as the composer himself – as the new simplicity, the new consonant music, the new consonantism. And above all this, integrally embedded in his music, is the notion of EUPHONY: sounds that are pleasing to the ear, consonance, harmony, balance. From concrete concepts of elementary music theory regarding the opposites of consonance vs. dissonance to the universal comprehension and sense of the world as a whole (balance, order, peace, stability, also joy and pleasure…).

When taking a closer look at the works Pelēcis has composed, the presence of specific natural objects emerges quite quickly as one of the permanent, independent lines found in his oeuvre. For example, jasmine, lilacs, rhododendrons, lilies (classic lilies, but perhaps also water lilies or simply one of the many bell-shaped flowers in the meadow, or any unspecified, indecipherable flower), dandelions, lilies-of-the-valley, peonies, irises, calla lilies, roses… Or the different phases of the day. Or the aforementioned circle of seasons. Here we find very few traditional sonoric features, except perhaps the occasional association with Baroque music or the polonaise. No, there are almost none of these. Instead, the listener is immersed in a kind of stream of consciousness, the pulse of which (or lack thereof) unfolds according to its own rules (or completely without any clearly perceptible rules) and changes as elusively as the day
dawns or the night falls.

Jānis Torgāns

Review

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Der Komponist Georgs Pelecis wird in Lettland zurecht verehrt und ist ein wichtiger Vertreter zeitgenössischer Musik. Doch er ist in Deutschland leider weniger bekannt. Sein Werk enthält Sinfonien, Kammermusik sowie Chormusik. Berühmte Interpreten wie Gidon Kremer und Alexei Lubimov haben sich für sein Werk engagiert. In diesem Jahr feiert er seinen 75. Geburtstag. Deswegen hat die ebenfalls aus Lettland stammende Pianistin Linda Leine ein Doppelalbum aufgenommen, das in wunderbarer Weise mit Pelecis‘ Musik bekannt macht. Er sei schon immer fasziniert gewesen von diesem intelligenten Prinzip der Wiederholung von Zyklen, das der ganzen Welt, der Natur und der menschlichen Existenz zugrunde liege, so Pelecis‘. Seine Musik ist minimalistisch, klar,  lebhaft und festlich. Aber sie kann auch einfühlsam, leise und voller Licht sein. Das alles macht Linda Leine auf diesem besonderen Album deutlich. Mit Anklängen an das Barock und das Treiben eines Jahrmarkts lässt die „Neujahrsmusik“ aus dem Jahre 1977 grüßen. Quintparallelen und Staccato-Effekte vermitteln eine abwechslungsreiche harmonische Stimmung. Auch Moll-Anklänge sorgen hier für interessante Klangfarben. Das Loslassen des metrischen Rhythmus‘ überrascht den Hörer immer wieder neu. Bei der „Frühlingsmusik“ (2021) fehlt die ständige Aufregung und Verzierung. In den Moll-Tonarten findet man Melancholie, Nachdenklichkeit – aber auch ein Gefühl von Weite.  Es kommt zu einer überraschenden  Auflösung von Räumlichkeit und akustischen Grenzen. Es ist eine musikalische Meditation. Die „Sommermusik“ (2017) ist ebenfalls sehr geräumig und von der emotionalen Farbe e-Moll beherrscht. Sie behauptet ihre diatonische Struktur in e-Moll als auch in a-Moll. Es ist ein klingendes Aquarell. Bei der „Herbstmusik“ (2011) überwältigt der weite melodische Rahmen, den Linda Leine sehr einfühlsam auskostet. Oktavsprünge und Achtelnoten überraschen den Zuhörer. Die effektvolle „Wintermusik“ aus dem Jahr 2015 vermittelt das erhabene Bild einer Prozession. Ein zaghaftes D-Dur lässt eigenartige klangliche Bewegungen folgen. Und ein Marschrhythmus gibt dem  Ganzen dann eine erstaunliche Wende. „Neujahr ist wieder da“ heißt es in der letzten Komposition aus dem Jahr 2018. Hier kommt es gleich zu Beginn beim Agitato zu einer freudigen Erregung. Auch die schwungvollen Klänge eines Tanzes sind herauszuhören. Es gibt Reminiszenzen an die Klangwelt Georg Friedrich Händels. Ein helles B-Dur bleibt die zentrale Tonart des gesamten Werkes.  „Mir fällt kein anderer klassischer lettischer Künstler ein, der ein solches Gefühl der Ordnung und Ruhe vermittelt“, meint Reinis Birznieks. Dem ist nichts hinzuzufügen. 

ALEXANDER WALTHER

12/11/22 www.onlinemerker.com